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13.08.09 · 09:57 Uhr
Neue Zweifel an Tamiflu, Trickreicher Baum, Sprunghafte Aufmerksamkeit
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 4
1. Meta-Analyse: Tamiflu und Relenza bei Kindern kaum wirksam
Die Zweifel an den vermeintlichen Grippe-Wundermitteln Tamiflu und Relenza werden immer größer. Zuletzt gab es Meldungen, wonach Tamiflu bei Kindern unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. Nun liefern britische Wissenschaftler weitere Munition für die Kritiker: die Forscher werteten die verfügbaren Studien aus (viele sind es nicht) und stellten fest, daß sich die Erkrankungsdauer bei der saisonalen Grippe durch die Einnahme von Tamiflu oder Relenza nur minimal verkürzt.
Und auch etwaige Komplikationen (wie etwa Asthmaanfälle o.ä.) treten bei der Behandlung mit Tamiflu nicht wirklich seltener auf. Insgesamt sehr ernüchternde Ergebnisse - ob man Tamiflu bei Kindern einsetzt, sollte also wirklich überlegt sein...
"Britische Public-Health Forscher melden Zweifel am Einsatz von Neuraminidase-Inhibitoren bei der neuen Influenza an. Aus ihrer im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b3172) publizierten Meta-Analyse geht hervor, dass Oseltamivir (Tamiflu®) oder Zanamivir (Relenza®) auch bei der saisonalen Grippe nur eine bescheidene Wirkung erzielen."
→ Weiterlesen: [Ärzteblatt]
2. Wie ein Baum hungrige Riesenvögel austrickste
Um sich vor Freßfeinden zu schützen, haben Pflanzen ganz verschiedene Strategien entwickelt. Die Klassiker sind natürlich Dornen und Stacheln oder irgendwelche Gifte, die die Früchte ungenießbar machen. Deutlich origineller ist da der Baum "Pseudopanax crassifolius", der in Neuseeland wächst. Der Speerbaum hat vor allem mit gefräßigen Moas zu tun und er verändert in seinem Leben die Blattformen dreimal und kombiniert hier verschiedene Abwehr- und Tarnstrategien...
"Bäumchen, wechsle dich: Dem neuseeländischen Speerbaum wachsen im Laufe seines Lebens drei verschiedene Blattformen. Dieser Trick wirkt wie eine Tarnvorrichtung und schützte ihn Millionen Jahre lang vor dem hungrigen Moa, einem seit 750 Jahren ausgestorbenen Riesenvogel."
→ Weiterlesen: [Rolf H. Latussek | Welt]
3. Hirnforschung: Der Scheinwerfer und die Wellen-Uhr
Wie genau unsere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit gesteuert wird und wie wir visuelle Informationen aus dem überreichen Informationsangebot filtern, gehört zu den spannendsten Fragen der Psychologie und Hirnforschung. Nun haben US-Wissenschaftler durch Untersuchungen an Affen neue Erkenntnisse gewonnen. Es sieht ganz so aus, als sei unsere Aufmerksamkeit eine sehr sprunghafte Sache...
" Zwei Biologen haben bei Experimenten mit Affen die innere Uhr des Gehirns entdeckt. Sie synchronisiert verschiedene Hirnregionen - womöglich bestimmt sie gar die Geschwindigkeit des Denkens.."
→ Weiterlesen: [orf Science]
Bei 3vor10 gibt es jeden Tag, von montags bis freitags, drei ausgewählte Links zu Artikeln in wissenschaftlichen Blogs und Nachrichtenportalen.
Autor: Marc · 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Aufmerksamkeit· Bäume· Biologie· Grippe· Hirnforschung· Influenza· Medizin· Neuseeland· Psychologie· Tamiflu
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Kommentare (4)
Ad 1.) Vor einigen Jahren wurde für T. eine Wirksamkeit von etwa 9% diskutiert; also nur jeder 10te würde von diesem Medikament überhaupt profitieren. Ich habe dazu nur einen Bericht aus dem letzen Jahr gefunden, der in diese Richtung geht.
Was selten erwähnt wird: Die Therapie mit Tamiflu sollte so früh wie möglich innerhalb der ersten zwei Tage nach Auftreten der Symptome einer Influenza begonnen werden. Bei Relenza innerhalb von 36 Stunden nach Kontakt mit einer infizierten Person. (Angaben jeweilige Fachinformationen).
Das Zeitfenster ist relativ schmal. Daher wird der optimale Therapiezeitraum oft verpasst, was die effektive Wirksamkeit und die "NNT" (numer needed to treat) weiter verschlechtert.
@strappato:
Danke für den zusätzlichen Hinweis. Das ist sicher ein wichtiger Faktor.
In der Meta-Studie, die oben zitiert wird, wurden insgesamt 4 Studien berücksichtigt. Knapp 1800 Kinder waren beteiligt. Und soweit ich sehe wurde die Behandlung im fraglichen 36-48h-Zeitraum nach Auftreten erster Symptome begonnen.
Im Ergebnis registrierten die Forscher eine Verkürzung um 0.5-1.5Tage, was die Dauer der InfluenzaSymptome betrifft. Die Verträglichkeit von Relenza war übrigens besser, als diejenige von Tamiflu.
Das Fazit:
Der Erfinder und die Produzenten von Tamiflu haben mit dem Mittel Millionen verdient. Zumindest für sie ist damit die Wirksamkeit bewiesen. Das es gegen die Grippe keinen therapeutischen Wert hat, sondern nur Symptome unterdrückt und damit auch die Gesamtdauer der Krankheit verlängert, steht auf einem anderen Blatt, doch das wird die nur sekundär künmmern, solange man es den Regierungen und den Menschen aufs Auge drücken kann. Sogar Rumsfeld hat daran verdient, weil er sich Aktien kaufte und gleichzeitig Bestellungen für die Armee durchführte. Da sag noch Einer, das Mittel sei nicht wirksam. Nur hoffnungslose Idealisten und verschrobene Wahrheitsfanatiker nennen das Betrug und Unvereinbarkeit.