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22.07.09 · 09:57 Uhr
Perspektiven der Neuroökonomie, Quantencomputer 2.0, Genetische Disposition für Placebos
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 4
1. Neuroökonomie: Dopamin könnte gemeinsame Währung sein
In den Wirtschaftswissenschaften galt lange Zeit das Modell des Homo oeconomicus als das Maß aller Dinge. Doch in den letzten Jahren ist auch in der klassischen Wirtschaftstheorie erkannt worden, daß Menschen nicht nur als Nutzenmaximierer funktionieren. Seitdem werden stärker Ansätze aus Psychologie und v.a. Neurowissenschaften berücksichtigt, wenn es darum geht, (wirtschaftliche) Entscheidungen und Verhaltensmuster zu verstehen.
Im Interview erklärt der Kognitionspsychologe Colin Camerer, wie in unserem Gehirn (quasi evolutionsgeschichtlich) verschiedene Module zusammenarbeiten. Einerseits die impulsiv-affektgesteuerten Bereiche (v.a. im Säugetier-Cortex), daneben die eher rational gesteuerten Bereiche (im menschlichen Neocortex). Eines der zentralen Momente sei freilich der Neurotransmitter Dopamin, der immer dann eine Rolle spielt, wenn wir "bewerten", was uns eine Sache tatsächlich "wert" ist, ob wir eine Kaufentscheidung treffen oder nicht, ob wir uns "belohnen" oder nicht. Ein lesenswertes Gespräch...
"Der Neuroökonom Colin Camerer hat gemischte Gefühle angesichts der großen Aufmerksamkeit für sein Fach. Wirtschaftlicher Nutzen erkläre sich eher durch hormonelle, als durch finanzielle Ströme..."
→ Weiterlesen: [Interview von Stefan Löffler mit Colin Camerer | Der Standard]
2. Quantencomputer: Störungen erwünscht!
In der Welt der Rechenmaschinen hat sich seit Konrad Zuse einiges verändert. Doch noch immer dominieren bei Computern die digitalen Prinzipien. Zwischen 0 und 1 wird trennscharf unterschieden. Seit einigen Jahren spricht man in der Szene allerdings über Quantencomputer, die ein vollkommen anderes Prinzip beschreiten und die Orientierung an lediglich zwei Zuständen hinter sich lassen. Bislang war aber auch in der Welt der Quantencomputer klar, daß die jeweilien Zustände des Systems klar von der Umwelt unterscheidbar sein müssen. Jetzt entwickeln Forscher allerdings sogar ein Modell, das diese Trennung aufhebt und bei der "Irritationen" erwünscht sind. Ob dieses Prinzip jemals eingang in Mikrochips finden wird, ist offen. Spannend sind solche Ansätze allemal...
"Nach bisherigen Vorstellungen ist eine Grundvoraussetzung für die Realisierung eines universellen Quantencomputers, dass das System aus Quantenteilchen extrem gut von der Umgebung isoliert ist. Jetzt aber haben Quantenphysiker genau diese Annahme auf den Kopf gestellt. Denn statt störungsfreiem Quantenrechnen entwickelten sie ein Konzept, in denen Störungen des Systems durch die Umgebung geradezu die Voraussetzung für effektives 'Quantum Computing' sind."
→ Weiterlesen: [SciNexx]
3. Gene beeinflussen Placebo-Wirkung
Es ist seit langem bekannt, daß Menschen ganz unterschiedlich auf Placebos ansprechen. Klar ist auch, daß die Beeinflußbarkeit durch Placebos mit der Ausschüttung von Neurotransmittern (Dopamin, Noradrenalin) zusammenhängt. Nun haben Wissenschaftler aus Los Angeles festgestellt, daß hier eine bestimmte Genveränderung eine Rolle spielt. Künftig könnte man also per Gentest vorab klären, ob jemand für Placebos empfänglich ist...
"Placebos wirken nicht bei allen Menschen gleich gut. Der Grund dafür ist nach einer Studie im Journal of Clinical Psychopharmacology (2009: 29: 372-377) in den Genen zu suchen."
→ Weiterlesen: [Ärzteblatt]
Bei 3vor10 gibt es jeden Tag, von montags bis freitags, drei ausgewählte Links zu Artikeln in wissenschaftlichen Blogs und Nachrichtenportalen.
Autor: Marc · 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Computer· Hirnforschung· Medizin· Neurotransmitter· Placebo· Psychologie· Quantencomputer· Quantenphysik· Wirtschaftswissenschaften
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Kommentare (4)
zu 1): Ich kenne die Arbeit von Colin Camerer ganz gut und kann versichern, dass er kein "Kognitionspsychologe" ist. Er ist "Professor of Behavioral Finance and Economics" und in erster Linie Verhaltensökonom, in zweiter Linie Experimentalökonom und in dritter Linie neuerdings auch Neuroökonom, wobei das alles natürlich eng verwandte Gebiete sind.
@Ulrich:
Danke für den Hinweis. Ich habe die Bezeichnung ehrlicherweise dem Standardtext entnommen. Dort steht:
Hatte ich mir gedacht. Das ist auch nicht ganz falsch. Camerer hat tatsächlich einmal Kognitionspsychologie unterrichtet, allerdings vor 7 Jahren. Naja, error propagation eben; aber ist nicht wirklich der Rede wert...
ad 3: Ist dieses Ergebnis so zusammenhängend mit der vor Jahren festgestellten (Aberglauben,Dopaminspiegel)-Korrelation, wie es für mich klingt? (z.B. =»RNB)