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16.12.10 · 06:30 Uhr

Sind Lochkarten die Zukunft der empirischen Sozialforschung?

Umfrage_2010.jpgWer glaubt, dass Sozialforscher einfach mit einem Notizblock und einem Diktiergerät losziehen, um ihren Mitmenschen schlaue Fragen zu stellen (in der Hoffnung idealerweise schlaue Antworten zu erhalten), der hat keine Ahnung. Empirische Sozialforschung und Interviews sind eine Wissenschaft für sich. Bevor die Phase der Datenerhebung beginnt, wird viele Monate geplant, das Panel sorgfältig zusammengestellt, das Fragebogendesign perfektioniert und dann geht es irgendwann wirklich los.

Doch gerade die Interviewforschung hat so ihre Tücken. Das beginnt mit dem Problem, dass manche Zeitgenossen dem Forscher nicht immer wahrheitsgemäß antworten (Stichwort: soziale Erwünschtheit) und reicht bis zum Versuchsleitereffekt. Antwortverzerrungen lauern an jeder Ecke. Da überrascht das Ergebnis einer Feldstudie aus Afrika: dort stellte man fest, dass es (gerade bei tabuisierten Themen) nicht sinnvoll ist, wenn die Befragten klar mit "Ja" oder "Nein" antworten oder sonstwie konkrete Auskünfte geben sollen. Wenn man stattdessen eine Art Lochkarte benutzt und die Befragten ihre "Antwortoptionen" nur mit einem Stift markieren, sind die Ergebnisse näher an der Realität. Entdecken die Sozialforscher auch hierzulande bald die Lochkarte für sich?

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Kommentare (1)

Kommentar-Direktlink MM· 16.12.10 · 11:21 Uhr

Setzt man empirische Sozialforschung mit Meinungsbefragungen gleich, muss man ihr jede Wissenschaftlichkeit absprechen. Wie nach jedem Wahlkampf leicht zu erkennen, hängen die Ergebnisse der empirischen Sozialforschung sowohl vom Auftraggeber als auch vom durchführenden Institut ab. Fragen werden gezielt suggestiv gestellt und sämtliche Erkenntnisse der wissenschaftlichen Psychologie mit Füßen getreten. Andererseits ist sie ein probates Mittel um Vorurteile (z.B. Einwanderer wollen sich nicht integrieren, Mädchen bervorzugen Puppen usw.) zu überprüfen. Entscheidend ist jedes Ergebnis kritisch zu hinterfragen und immer in Bezug zum Auftraggeber und zur Stichprobe zu interpretieren. Ob es sich dabei aber um eine Wissenschaft handelt soll jeder selbst beurteilen

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