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03.12.10 · 06:30 Uhr

Fremde Federn: "Ghostwriting" in der Wissenschaft

Ente2010.jpgIrgendwie ist es doch schizophren: Einerseits wird in der Wissenschaft um Publikationen und die Frage, wer in welchem Journal publiziert hat und an welcher Stelle der Autorenreihenfolge man platziert ist, ein riesengroßes Theater gemacht (es geht um Karrierechancen, klar). Andererseits ist es ein offenes Geheimnis, dass sich (wenn diese Karriere einmal gemacht ist) nicht wenige renommierte Forscher zusätzlich mit fremden Federn schmücken und auch als Autoren von Artikeln oder Büchern firmieren, zu denen sie keinen nennenswerten Beitrag geliefert haben.

Spannend wird es freilich immer dann, wenn in solchen Artikel irgendwann Fehler gefunden werden oder sonstige Ungereimtheiten auftauchen. Peinlich für die vermeintlichen Autoren, wenn sie dann reumütig zugeben, dass sie eigentlich gar nichts mit der Arbeit zu tun gehabt haben. Aktuell wird ein solcher Fall im Zusammenhang mit einer Festschrift zum 300-jährigen Jubiläum der Charité diskutiert. Die soll teilweise ein Plagiat sein - die Herausgeber wollen davon nichts geahnt haben. Und Jürgen berichtet von einem besonders pikanten Fall aus den USA: ein medizinisch-psychiatrisches Lehrbuch wurde dort offenbar komplett von Ghostwritern geschrieben. Die beiden als Autoren genannten Professoren steuerten wohl nur ihren guten Namen bei. Und die Ghostwriter standen zudem noch in Diensten einer Pharmafirma. Ein Einzelfall?


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3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (3)

Kommentar-Direktlink linx· 03.12.10 · 10:20 Uhr

Ghostwriting ist überall Gang und Gebe. Es fängt ja schon in der Uni an, wenn der Student einen Fachartikel verfasst und veröffentlicht und trotzdem nur Co-Autor ist.
Verwerflich finde ich es lediglich, wenn der angebliche Autor eigentlich gar kein Wissen in dem Bereich hat und sich sein angebliches Wissen erkaufen musste. Das tut dann auch wirklich weh wenn der Schwindel auffliegt...

Kommentar-Direktlink Frank Müller-Reise· 03.12.10 · 22:23 Uhr

Ich finde es zwiespältig, dass sich grundsätzlich über Ghostwriting wissenschaftlicher Arbeiten mokiert wird, in der Wirtschaft, wo sowas Gang und Gebe ist und richtig viel Geld damit verdient wird, so etwas aber stillschweigend toleriert wird. Da werden Fake-Bewertungen geschrieben (nicht unbedingt Ghost Writing im eigentlichen Sinne, dennoch ist es keine Eigenleistung) und im Namen einer großen Redaktion eines Preisvergleichsportals dem Kunden als die ultimative Wahrheit vorgesetzt werden...

Kommentar-Direktlink Geraldine Göllner· 21.12.10 · 14:19 Uhr

Als Brancheninterne freut es mich besonders, dass die hier abgegebenen Kommentare das Thema nicht eindimensional abhandeln, sondern eine differenzierte Perspektive dazu einnehmen.

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